Ungenügend bis mangelhaft

09. Dezember 2022

Ungenügend bis Mangelhaft

Scheitern gehört nicht zu den Qualifikationen, die wir in unserer schulischen und beruflichen Laufbahn erwerben wollen. Auch im private Bereich wollen wir lieber nicht scheitern.

Was wäre, wenn wir den Fehler, den Makel, die Lücke nicht verteufeln, sondern wertschätzen, ja als notwendig betrachten würden, wenn Fehler erwünscht wären?

Ja, ich weiß, es gibt Bereiche, wo es keine Fehler geben sollte und sie fatale Wirkung haben. Nur: wir verhalten uns so, als ob das Leben an sich keine Fehler haben dürfte. Wurde uns nicht oft genug gesagt: Nicht für die Schule lernen wir...? Warum also dürfen wir schon in der Schule - aber später auch im Leben und im Beruf - keine Fehler machen?

Was wäre, wenn wir uns trauen würden, weniger makellos zu sein, weniger perfekt, wenn es ok wäre zu sagen: Das weiß ich (noch) nicht. das kann ich so nicht. Das hat nicht geklappt. Da habe ich mich geirrt. Das war ein Fehler - ja, ein Fehler! Oder: Das ist nicht mein Weg. Und wenn wir trotz oder gerade wegen unseres Scheiterns geschätzt würden. Vielleicht kann daraus die Kraft entstehen, aufzustehen und weiter zu gehen, den Fehler als Entwicklungsschritt zu sehen, der gut war und sein darf, weil ich nur so herausfinden kann, welcher Weg mein Weg ist.

Dann könnten wir Unterschiede nicht nur gelten lassen, sondern die Menschen - auch die Mitarbeiter*innen, Kolleg*innen, Chef*innen und vor allem die Kinder - in ihrer Vielfalt und mit ihren individuellen Eigenschaften wertschätzen, nicht nur ihre Noten, Abschlüsse und Zertifikate.

Mangelhaft wäre dann fabelhaft!