Resonanzen

Der unsichtbare Unterschied - “Nichts machen”

Nach einer Supervision oder auch nach einer Moderation mit Dynamic Facilitation habe ich manchmal das Gefühl, dass ich eigentlich nichts gemacht habe. Ich habe keine schlaue Methode angewendet, kein tolles Graphic Recording gemalt (was ich sowieso nicht kann) und die Mitschriften auf den Flipcharts sehen eher chaotisch aus. Und trotzdem hat das oft eine ganz überraschende Wirkung:
Neulich sagte ein Supervisand auf die Frage, was ihm jetzt am Ende noch durch den Kopf gehe, aus tiefstem Herzen: “Ich weiß jetzt, dass ich sehr gut ausgebildet bin, und daher hier (in meiner Arbeit) etwas Wichtiges beitragen kann!”

Was wie Eigenlob klingt, war eine 180-Grad-Wende: zu Beginn des Treffens fühlte er sich überfordert von den anstehenden Aufgaben und an ihm nagte die Frage, ob er denn genug leisten würde. Nach dieser Erkenntnis am Ende ging er voller Energie. Dabei hatten wir über die Frage seiner fachlichen Kompetenz gar nicht gesprochen. Die Aussage kam dennoch ohne dass er lange nachdenken musste - sie war fast augenblicklich da und wir spürten beide, dass es “wahr” war, was sich ihm in diesem Moment erschlossen hatte. Ein “magischer” Moment!

Diese Erkenntnis hatte eine völlig andere Qualität, als wenn ich es ihm gesagt oder erklärt hätte. Er war im Verlauf des Gesprächs zu sich selbst gekommen, zu etwas Wesentlichem in seiner Person.

Und ich hatte “Nichts” gemacht. Nur zugehört, absichtslos (naja, abgesehen davon, dass ich mich immer wieder gefragt hatte, was ich wohl tun sollte…), ohne Ergebnisdruck (wie z.B.: "Jetzt sollten wir aber langsam mal ein Thema definieren!"), ohne Beschwichtigung ("Das ist doch nicht so schlimm - das wird schon wieder!"), mit nicht mehr und nicht weniger als Offenheit, Interesse und Neugier für ihn und seine Situation.

Und das ist der unsichtbare Unterschied: es muss nichts dabei rauskommen, ich muss keinem Plan folgen, manches ergibt vielleicht erst einmal keinen Sinn - und dann führt gerade das zur Lösung!

Ist nicht immer einfach, “nichts” zu machen - aber am Ende der unsichtbare Unterschied!